Resümee nach 1,5 Jahren Widerstand

Die Rückertstr. 2/Osterstr. 48 hat eine Metamorphose durchlaufen – sie ist jedoch noch nicht abgeschlossen!

Einiges ist geschehen.

Am 01.05.2016 war die Wohnung im 3. Stock ihre Mieter*innen los. Nach einem berauschenden Abschiedsfest pflogen die Vöglein für immer aus – alle in verschiedene Richtungen, sie kommen nicht mehr nach Haus. Auf dem engen Bremer Wohnungsmarkt ein gemeinsames und bezahlbares Nest zu finden, war unmöglich.

Anderthalb Jahre der Bedrohung ihres Wohnraumes und der Kampf um diesen gingen dem Auszug voraus. Wandernde Baustellen ohne Ankündigung, ohne absehbares Ende, Lärm, Dreck, Schikanen, Nichtauskunft und Verweigerung durch die Eigentümer*innen, Drohungen, Kündigungen, Räumungsklagen, Einbruch und Diebstahl, Entzug von Nutzungsrechten und Raum, das Wegschauen involvierter Stellen, Ämter und der Behörde – all dies macht mürbe. All dies wurde systematisch seitens des eingesetzten Strohmannes genutzt, die Bewohner*innen zum Auszug zu drängen. Hierzu abgeschlossene Mietaufhebungsverträge sollen Freiwilligkeit suggerieren, wo Zwang zum Einsatz kam.

Heute, am 31.05.2016 ist auch der 4. Stock „frei von Mietern“. Diesmal wurde leise gegangen.

Wie bereits im 3. Stock begonnen, werden auch im 4. Stock Umbaumaßnahmen starten. Herbergswohnungen sollen geschaffen werden, wie dies bereits im 2. Stock geschehen ist – nachdem im Mai 2015 eine Wohngemeinschaft mit kleinem Kind und Säuglingen es nicht mehr aushielt und den Stadtteil verlassen musste. Die umgebauten Wohnungen versprechen dem Besitzer der benachbarten Herberge eine Ausweitung seines einträglichen Geschäftsmodells. Morgen, am 01.06.2016 wird er nach eigener Aussage Eigentümer des Objektes Rückertstr. 2/Osterstr. 48. Der Strohmanneinsatz hat sich gelohnt, doch der Plan ist nicht zur Gänze aufgegangen. Das Haus wird nicht wie zu Beginn vereinbart „frei von Mietern“ übergeben. Die Wohnung im 1. Stock bleibt bewohnt!

Am 19.01.2016 beantwortete der Senat eingereichte Fragen der Mieter*innen der Rückertstr. 2 wie folgt:

„Trotz des großen Bedarfs an Zimmern zur Unterbringung von Wohnungslosen lehnt es die die Zentrale Fachstelle Wohnen ab, dass Immobilien entmietet oder Mieter wohnungslos werden.
Der Eigentümer in der Rückertstraße 2 betreibt seit Jahren im Nachbarhaus eine kostengünstige Unterkunft für Wohnungslose. Seit Juli 2015 belegt die Zentrale Fachstelle Wohnen eine Etage mit 4 Zimmern im Haus Rückertstraße 2. Für die Belegung dieser Zimmer gibt es eine mündliche Vereinbarung. Eine Vereinbarung über die Entmietung und Nutzung weiterer Zimmer in der Rückertstraße 2 wurde nicht getroffen. Weitere Wohnungen werden nicht belegt, sollten sie per Räumungsklage oder eine andere Form von Zwang frei gemacht worden sein.“ (Seite 14)

Was wird diesem Versprechen des Senats und der Zentralen Fachstelle Wohnen folgen? Wird hinter verschlossenen Türen nicht doch ein Nutzen aus den Entmietungsmachenschaften gezogen werden?